Jahresbericht 2014 der Pfarrei Bernhardzell

Jahresbericht 2014 der Pfarrei Bernhardzell

 

Im kirchlichen Bereich war 2014 ein durchzogenes Jahr. Auf der einen Seite ging die gute Stimmung, die uns Papst Franziskus brachte, weiter. Viele Hoffnungen wurden geweckt – und bleiben weiterhin. Endlich ist jemand da, der weiss, wovon er spricht, der kein Blatt vor den Mund nimmt und der erst noch unsere Sprache spricht.

Auf der anderen Seite gibt es da und dort Enttäuschungen weil die Sachlage nicht schnell genug geändert wird. Wenn man allerdings bedenkt, wie viele innerkirchliche Baustellen offen sind und wie schwerfällig der ganze Apparat funktioniert, dann muss man einiges Verständnis aufbringen, dass es halt nicht von heute auf morgen ganz anders wird.

Aber wenn ich sehe und jeden Tag von Neuem höre, wie Papst Franziskus gewisse Dinge immer wieder neu anspricht, dann denke ich, dass auch die Hartgesottensten unter den Kirchenführer früher oder später weichgeklopft sein werden – und dass sich dann halt doch – und vielleicht ganz plötzlich – einiges ändern kann. Hoffen wir darauf und begleiten wir die begonnenen Prozesse mit unserem Gebet!

 

Unsere Pfarrei

Was mir in unserer Pfarrei etwas Sorgen macht ist die Tatsache, dass die Generationen, bei der die Kirche noch einen festen Platz im Dorfleben einnahm, leider am Aussterben sind. Heute ist die Pfarrei bei vielen nur noch ein Gebilde, das man unter „ferner liefen“ abhakt. Die Identifikation mit der Pfarrei, das Engagement für das Pfarreileben und das Mitmachen und Mittragen der Pfarreianlässe nimmt – so scheint es mir – immer mehr ab. Manchmal habe ich das Gefühl, man denke: „Macht etwas – vielleicht bin ich dann auch dabei – wenn mir nicht gerade etwas Besseres einfällt.“

Aus Erfahrung sind dann allerdings genau diese Menschen die Ersten, die aufschreien, wenn unsere Pfarrei aufgelöst werden und in ein grösseres Ganzes integriert bzw. fusioniert werden sollte – was bis heute zum Glück noch nicht zur Sprache steht.

Mit dieser Mentalität einher geht leider auch die Unsitte, kleinste Fehler – oder manchmal auch nur vermeintliche Fehler – übergebührend laut zu kritisieren. Kritik an Ort und Stelle zu äussern wäre ja eine aufbauende Kritik. Vielleicht könnte man sich erklären – oder man könnte daraus etwas lernen.

Wenn die Kritik aber hintenherum im Verein oder im Dorfladen geäussert wird, dann hilft das niemandem weiter – im Gegenteil: solches verbreitet nur eine negative Stimmung gegen die Kirche und verunsichert ungemein. Dabei meine ich nicht in erster Linie mich selber – auch und vor allem meine Mitarbeiterinnen leiden sehr unter solch unfairem Umgang. Vielleicht sollte sich jede und jeder Einzelne wieder einmal bei der Nase nehmen und sich überlegen, wie und wo man sinnvollerweise was sagt, damit es weiter hilft. Denn: die Kirche, das sind nicht nur die anderen – die Kirche, das ist die Gemeinschaft der Glaubenden an Ort – und dazu gehören wir alle – auch du!

 

Positives

Das musste einmal gesagt sein – denn diese Entwicklung macht mir Angst – nicht um mich, aber um unsere Pfarreigemeinschaft.

Es gibt aber auch einiges Positives zu berichten:

·     Die Zusammenarbeit in der Seelsorge-Einheit klappt recht gut und immer besser.

·     Die Vorbereitung auf die Firmung, der Firmweg entwickelt sich und spricht die Jugendlichen immer besser an – besonders dort, wo es uns gelingt, sie schon in die Planung mit einzubeziehen. Gegenwärtig sind 6 Bernhardzeller auf dem Firmweg – dazu kommen noch 7 aus Waldkirch.

·     Erstmals seit Jahren sind einige Ministranten auch nach der obligatorischen Schulzeit noch beim Altardienst geblieben.

·     Ich schätze auch die Pfarreiangehörigen, die meine und unsere Gottesdienste und Anlässe mittragen, indem sie wenn immer möglich da sind und mitfeiern. Einen ganz grossen Eindruck hinterliess die Gruppe, die den ganzen Silvester-Nachmittag gejasst hat – dann den Jass unterbrach, um in die besinnliche Feier zum Jahresabschluss zu kommen und nachher wieder weiterjasste. Das war ein schönes Erlebnis!

·     Der jüngsten Generation von Eltern bedeutet offenbar der Glaube wieder etwas mehr. Das zeigt sich in der Sunntigsfiir: so viele Kinder haben sich schon lange nicht mehr daran beteiligt.

·     Auch die Schülergottesdienste werden wieder besser besucht.

·     Die Zusammenarbeit in der Senioren-Arbeit mit der Pro Senectute hat sich gut entwickelt. Die Fastenandacht und eine Mai-Andacht auswärts sowie ein Vortrag meinerseits sind feste Bestandteile im Jahresprogramm.

·     Bei den Ministranten steht die grosse Reise an, die wir alle 3 Jahre anbieten – diesmal nach Prag! Ich habe auch schon gehört (übrigens auch das auf dem Latrinenweg!!!), dass wir die Ministranten verwöhnen und ihnen unsere Steuergelder nachwerfen würden, das sei ja verrückt. Ich kann Sie beruhigen: Als ich hier angefangen habe, da übernahm ich bei den Minis zwei Hypotheken:

1. hat Pfarrer Gemperli angeblich den Minis eine Romreise versprochen und

2. bekamen sie für ihren Dienst einen jährlichen „Lohn“.

Zusammen mit Waldkirch haben wir dann 2006 die Romreise durchgeführt. Gleichzeitig wurde uns von der SE empfohlen, alle 3 Jahre eine grössere Mini-Reise anzubieten. 2009 war es dann Krakau, das uns Diakon Kadlubowski zeigte, 2012 Barcelona und 2015 eben Prag. Diese Reisen sind eine echte Bereicherung für die jungen Menschen – und sie sind kostenneutral!!!

Wie das? – gegen grossen Widerstand haben wir den „Lohn“ abgeschafft – immerhin etwa 40 bis 90 Fr. pro Jahr und Person. Man rechne: in 6 Jahren haben wir dadurch einiges eingespart. Dazu kommt, dass die Jugendlichen Fr. 250.— selber beisteuern – darum durften sie auch mitbestimmen, wohin die Reise gehen soll.

Das ist meine kurze Zusammenfassung zur Lage der Pfarrei. Ich möchte an dieser Stelle allen ganz herzlich danken, die immer wieder da sind, mich unterstützen und bei Pfarreianlässen mithelfen. Einen besonderen Dank gilt den beiden treuen Helferinnen Irene Eigenmann und Marlis Inauen. Herzlichen Dank auch den Leiterinnen der Sunntigsfiir, der Katechetin Judith Bolzern, den Bibellehrerinnen, der Frauengemeinschaft, den Mesmerinnen Elvira Signer und Anni Staub, der Hauswartin Sonja Egger mit ihrem Ehemann Emil, der Pfarreisekretärin Heidi Aggeler, der Kirchenverwaltung mit dem Präsidenten Linus Rusch und Ihnen allen, die Sie immer wieder da sind und Ihr Interesse bekunden – sei es im Gottesdienst oder bei sonst einem Pfarreianlass.

Diakon Hans Imboden, Pfarreileiter